Employer Branding: Wenn das Stille Örtchen doch nicht so still ist…

Ich möchte Sie heute an einer kleinen Geschichte teilhaben lassen, die wir bei einem guten Kunden erlebt haben, die zeigt, dass unausgesprochene Kleinigkeiten für das Employer Branding sehr problematisch werden können. 

Zum Hintergrund:

Ein Kunde in der Kölner City hat uns damit beauftragt eine Nachfolgerin für seine – wie er sich selbst ausdrückte – „Büroperle“ zu kümmern. Diese hatte ihn – aus seiner Sicht – völlig überraschend damit konfrontiert, dass sie das Unternehmen nach langer Zugehörigkeit verlassen wollte, weil sie sich einer neuen Herausforderung stellen wollte. Sie hatte sich nach guten Zureden dazu bereit erklärt, die Nachfolgerin einzuarbeiten und uns bei der Personalvorauswahl zu unterstützen. Als BonBon hatte unser Auftraggeber ihr zugesagt, dass wir parallel auch sie coachen und bei der Suche nach einer neuen Position unterstützen würden.

All dies erscheint erstmal nicht ungewöhnlich und gehört eigentlich zu unserem Arbeitsalltag. Ich möchte deshalb auch nicht auf die Aspekte der Personalsuche eingehen, da diese hier wenig außergewöhnlich waren. Nach kurzer Gesprächsdauer mit der „Büroperle“ kam ich zügig dazu mit ihr über ihre Wünsche und Anforderungen für die neue Position zu sprechen, in die wir sie vermitteln sollten.

Nach einem kurzem Warm-Up begann sie zu erzählen und skizzierte ihre Traumstelle. Im Laufe des Gespräches kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass die neue Stelle in der Ausgestaltung ziemlich genau der Stellenbeschreibung entsprach, die wir gerade erst für Ihre Nachfolgerin erarbeitet hatten.  Ich versuchte deshalb abzuklopfen, ob es weitere Punkte gab, die ihr aktuell nicht geboten wurden und die für sie essentiell in der neuen Anstellung sein sollten. Zu meiner Überraschung kamen hierbei keine neuen Aspekte zu Tage und ich stand einigermaßen ratlos vor der Angelegenheit.

Wie so häufig kam mir Detektiv Zufall zu Hilfe. Aufgrund des reichlichen Kaffeegenusses war ich gezwungen, die stillen Örtlichkeiten der Bürogemeinschaft zu besuchen. Diese waren wirklich eine Zier für das Unternehmen, alles frisch renoviert, sehr geschmackvoll und man hatte sogar an Duftstangen und weitere kleine Aufmerksamkeiten gedacht. Ich war hiervon so beeindruckt, dass ich es der Dame gegenüber sehr lobend erwähnte. Ich erntete hierzu nur einen säuerlichen Gesichtsausdruck, was mich veranlasste nachzuhaken. Es stellte sich heraus, dass ich genau ins Schwarze getroffen hatte. Die Bürogemeinschaft bestand außer der Dame nur aus Männern, die sich die Personaltoiletten teilen mussten. Diese waren nicht halb so gut in Schuss wie die Besuchertoiletten, sondern verströmten das typische Altbauflair. Dieser Umstand war für die Dame so unerträglich, dass sie diese nur im äußersten Notfall aufsuchen wollte und dies der eigentliche Grund für die angestrebte Kündigung darstellte.

 

Employer Branding mit Altbau Toiletten in Reihenbauweise

 

Da mir mein Auftraggeber gegenüber sehr deutlich gemacht hatte, wie ungern er die Dame verlieren wollte, überzeugte ich meine Klientin davon ihren Chef zu unserem Gespräch hinzuzuziehen um das Problem der Personaltoiletten anzusprechen. Dieser zeigte sich sehr überrascht und gab zu, dass er die Personaltoilette einfach völlig vergessen hatte und ihm als Mann nie bewusst geworden war, wie problematisch ein solches Ambiente für die einzige Frau im Betrieb sein könnte. Er wollte sich umgehend darum kümmern und für Abhilfe sorgen, wenn meine Klientin dafür dem Betrieb erhalten bleiben würde. Selbstverständlich dürfte diese bis zur Sanierung die Besuchertoiletten nutzen.

Das Ergebnis war, dass ich einen Personalsuchauftrag verloren aber einen glücklichen Kunden gewonnen hatte.

Merke: Employer Branding fängt zu allererst im Betrieb an, bevor es darum geht sich mit der Außendarstellung zu befassen. Employer Branding ist somit etwas völlig anderes als eine schöne neue, mobil optimierte Website. Es gilt vielmehr sich mit den realen Gegebenheiten im Unternehmen zu befassen, die dazu führen, dass die Menschen sich wohl fühlen und diese zu optimieren!


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